Forschungsarbeiten und Forschungsprojekte

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

Systematische Professionsforschung im Feld bildungs- und sozialpraktischer Berufe und Dienstleistungen
Bildungsforschung und Bedarfsanalyse für den Bereich der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung
Wissenschaftstheorie der Andragogik - historische und synchrone Betrachtungen
Beratungsforschung mit Schwerpunkt Personalberatung und -entwicklung/Bildungsberatung
Wissensverwendungs- und Wissenschaftsforschung.

Buchbesprechung / Rezensionen

Bernd Dewe: Beratende Wissenschaft. Unmittelbare Kommunikation zwischen Sozialwissenschaftlern und Praktikern
Rezension zu: Bernd Dewe: Beratende Wissenschaft. Unmittelbare Kommunikation zwischen Sozialwissenschaftlern ...

Forschungsprojekte zwischen 1987 - 2007


Projekt 1

,,Regionale Bildungsforschung: Erwachsenenbildung in der Region Osnabrück im 19. Jahrhundert“ (In Kooperation mit: Prof. Dr. Dirk Axmacher). In diesem Forschungsprojekt ging es um die Erhebung historisch früher Formen der Handwerkerfortbildung in der Region Osnabrück, die sich um 1820 in sogenannten Sonntagsschulen für Gesellen und angehende Meister etablierte. Diese frühen Formen der Handwerkerfortbildung hatten neben der Vermittlung fachlich-naturwissenschaftlicher und technischer Bildungselemente deutlich disziplinierenden Charakter. Im Mittelpunkt unseres Interesses stand folglich der sich schon bald legende ,,Widerstand gegen Bildung“ in dieser Form.


Projekt 2

,,Experten wider Willen: Zur Verwendung sozialwissenschaftlichen Wissens in Beratungszusammenhängen“; Kennwort: Wissenschaft und Lebenspraxis Gefördert durch die DFG für 2 Jahre, Schwerpunktprogramm ,,Verwendungszusammenhänge sozialwissenschaftlicher Ergebnisse“.

Zusammenfassung der Forschungsziele:
Das Forschungsprojekt ging der Frage nach, wie sozialwissenschaftliches Wissen in lebens- und berufspraktische Verwendungszusammenhänge eindringt. Dieser Penetrationsprozeß wurde untersucht an Fällen von Beratungsgesprächen zwischen sozialwissenschaftlich argumentierenden Beratern und lebens- bzw. berufspraktisch handelnden Klienten. ,,Beratung“ erscheint als moderner Typus kommunikativer Interaktion zwischen Wissenschaftlern und Praktikern, in der die Problematik wie auch die Reflexivität moderner Vergesellschaftung deutlich wird. In einer ,,neuen Unübersichtlichkeit“ wachsender Komplexität und steigender Abstraktion verliert die Bewältigung des beruflichen Alltags an Selbstverständlichkeit. Die Unangemessenheit überkommener Handlungsmuster und Steuerungsmodelle macht es immer schwieriger, soziales Handeln selbstverantwortlich zu organisieren.
Die Beratungskommunikation zielt auf die Handlungsgrammatik der Beteiligten ab, auf deren Grundlage der Vollzug kompetenter Handlungen erst möglich wird, die man aber niemals als kognitiv-expliziten Wissensbestand (im Sinne von sozialtechnologischem Problemlösungswissen) vermitteln und anwenden kann.
In der mittelbaren Kommunikation zwischen Sozialwissenschaftlern und Praktikern wird offenkundig wissenschaftliches Wissen weniger gegenstandsbezogen als methodisch benutzt und fungiert als ein Medium, in dem praktische Handlungsprobleme transparent gemacht und. aufgearbeitet werden können. Um dies zu zeigen und handlungsgerechte Praxisstrategien zu entwickeln, ging es darum, das Verhältnis von Wissenschaft und Handlungspraxis jenseits deduktiver Transferkonzepte möglichst detailliert zu analysieren. Das Eindringen sozialwissenschaftlichen in alltägliches bzw. berufspraktisches Wissen wurde theoretisch als eine strukturell mögliche Übernahme sozialwissenschaftlich purifizierter Begründungen für die handlungspraktische Entscheidungsauswahl betrachtet. Es wurde die These vertreten und zur Überprüfung gestellt, daß diese Übernahme in bestimmten Fällen aufgrund von internen Resistenzen im lebens- und berufspraktischen Wissen abgewehrt bzw. wegen seiner Reduktion auf bloße von sozialwissenschaftlichem Wissen nicht leistbare ,,Ratschläge“ und ,,Rezepte“ verhindert wird. Die Bedingungen der Rezeptivität bzw. Resistenz praktischer Wissensbestände gegenüber sozialwissenschaftlichen Begründungsstrukturen und somit die Interaktionsprinzipien eines aufklärenden Diskurses waren daher Kern der empirischen Untersuchung. Sie wurde methodisch als eine Rekonstruktion der Gesprächsverläufe von Beratungsprozessen mittels konversationsanalytischer Verfahren angegangen. Gefördert mit einer Sachmittel-Beihilfe der DFG, 1,5 BAT II 2 Stellen einer stud. Hilfskraft plus 35.000,- DM.


Projekt 3

,,Das sozialwissenschaftliche Wissen der Professionen“,: Kennwort ,,Professionen“. Gefördert durch die DFG für 1 Jahr. Einzelförderung.

Zusammenfassung der Forschungsziele:
Das Forschungsvorhaben geht den hier unter dem Begriff der ,,indirekten Verwendung“ gefaßten Formen einer Vermittlung sozialwissenschaftlichen Wissens an professionelle und semiprofessionelle Berufe nach. Es wird ausgegangen von der innerhalb der Professionalisierungsdiskussion zur Sozialwissenschaft vertretenen These, diese sei notwendigerweise eine „Wissenschaft ohne Beruf“, die aufgrund ihres handlungslogischen Status als distanzierter Beobachter einer so als ,,fait social“ wahrgenommenen sozialen Wirklichkeit im wesentlichen nur mit dem Anspruch von Erklärung gegenübertreten kann. Daher leidet die Sozialwissenschaft beim Transfer ihres Wissens in Verwendungszusammenhängen am Mangel einer unmittelbaren professionellen Praxis, die es erlaubt, wissenschaftliches Wissen interpretierend in lebenspraktische Einzelfälle umzusetzen. Eine solche Praxis ist dagegen für eine große Zahl von sozialpraktischen Professionen und Semi-Professionen in modernen Gesellschaften etabliert worden (Etwa für Lehrer, Sozialpädagogen, Sozialmediziner und bestimmte juristische Berufsrolleninhaber). Deren Problemwahrnehmung und Begründungskompetenz wird heute durch die Öffentlichkeit unter anderem dahingehend in Frage gestellt, daß sie in der Perspektive einer bloßen Fachlichkeit die ,,nicht-intendierten Folgen sozialen Handelns“ nicht wahrnähmen. Als Antwort darauf ist in die Curricula der Aus- und Fortbildung solcher Professionen und Semi-Professionen während der siebziger Jahre in großem Umfang sozialwissenschaftliches Wissen integriert worden, das hierdurch einen, allerdings nur indirekten Verwendungsbezug, erhalten soll etc. Die Untersuchung wendet sich an die mit diesen Vermittlungstätigkeiten befaßten soziologischen Fachvertreter, die ihrem institutionellen Status nach als ausgewiesene Soziologen handeln und anerkanntes sozialwissenschaftliches Wissen erzeugen bzw. weitergeben. Es interessiert, wie dieses ,,personengebundene“ sozialwissenschaftliche Wissen innerhalb einer solchen ,,Orientierung“ von Professionen und Semi-Professionen transformiert wird. Hierbei geht es in einer Befragung dieser Soziologen sowohl um die Ermittlung des Umfangs und Inhalts dieser ,,indirekten Verwendung“ als auch um die Klärung der Verzerrungen, die dieses Wissen dabei erfährt. Gefördert durch eine Sachmittel-Beihilfe der DFG, 2 BAT IIa-Stellen für 1 Jahr plus 50.000,- DM.


Projekt 4

,,Professionalisierungsprozesse in außerschulischen pädagogischen Berufen“; gefördert durch Landesmittel RLP. Gefördert für 1 Jahr.

Kurzfassung der Forschungsziele:
In den letzten 20 Jahren ist Professionalisierung in der Erziehung zu einem Dauerthema geworden. Seit der Proklamierung des Zieles einer umfassenden Professionalisierung der 60er Jahre sind die Diskussionen über das Berufsbild und den Status der Pädagogen/Erzieher, vor allem aber über die Chancen der wissenschaftlichen Fundierung der Ausbildung nicht abgerissen. Praktisch zielten diese Bemühungen in erster Linie auf die Anhebung des Ausbildungs- und Prestigeniveaus pädagogischer Berufsgruppen, wobei die naive Reduktion von Professionalisierung auf Akademisierung und die Einschmelzung des Professionalisierungsbegriffs auf Verwissenschaftlichung geradezu typisch war.
Zweifellos war der große Professionalisierungsboom pädagogischer Berufe in den 60er und 70er Jahren auch ein gutes Pflaster für die Produktion von Professionalisierungstheorien. Sie waren die Begleitmusik zur Etablierung eines expandierenden Handlungsfeldes, dem jedoch eine gesicherte theoretisch-konzeptionelle Grundlage fehlte. Mitte der 70er Jahre kam es hier zu einem Bruch. Die Reformperiode, in deren Mittelpunkt insbesondere auch eine forcierte Modernisierung und Rationalisierung des Erziehungssystems stand, gingen aufgrund ökonomischer Umstrukturierungen und bildungs- und sozialpolitischer Restriktionen abrupt zu Ende. Die Expansion und weitere Ausdifferenzierung des Bildungs- und Sozialwesens wurde teilweise zurückgenommen. Gleichzeitig machte sich bei den Pädagogen ebenso wie bei ihrer Klientel Ernüchterung breit, die in eine Entschulungs- und Deprofessionalisierungsdebatte mündete.
Nachdem die fortbestehenden praktischen Probleme pädagogischen Handelns in Institutionen nicht zufriedenstellend bearbeitet werden konnten zeichnet sich heute eine neue Professionalisierungsforschung ab, die nicht mehr die sozialen Probleme der Verberuflichung, sondern die Strukturprobleme pädagogischen Handelns ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Sie wird nicht mehr vornehmlich in der Perspektive einer Effektivierung und Rationalisierung pädagogischer Prozesse betrieben, sondern sie nähert sich den Binnenstrukturen und der Logik pädagogischen Handelns im Spannungsfeld von allgemeiner Wissensapplikation und Fallverstehen. Erforscht werden Fragen nach der Professionalisierungsbedürftigkeit bestimmter Tätigkeiten im Bildungs- und Sozialwesen und nach der Professionalisierbarkeit solcher Tätigkeiten unter den gegebenen institutionellen Rahmenbedingungen. 1 BAT IIa-Stelle, 2 stud. Hilfskräfte für 1 Jahr plus Sachmittelausstattung.


Projekt 5

,,Stellenwert und Funktion der Sozialwissenschaften bei der Reform der Lehrerausbildung -Untersuchungen zu den Wirkungen der sozialwissenschaftlichen Fundierung des Lehrerhandelns“; Kennwort: Sozialwissenschaften und Lehrerhandeln (Projektleitung zusammen mit PD Dr. Frank-Olaf Radtke, Zentrum für Lehrerbildung, Universität Bielefeld).

Kurzbeschreibung:
Das Projekt ,,Sozialwissenschaft und Lehrerhandeln“ folgt einer Forschungsstrategie, mit der untersucht werden kann, wie sozialwissenschaftliches Wissen, das zu hohen Anteilen im Rahmen der in der Bildungsreform der 70er Jahre innovierten Lehrerausbildung vermittelt wird, im berufspraktischen Handeln der Lehrer Verwendung findet. Anspruch der Bildungsreform war unter anderem, daß sozialwissenschaftliches Wissen - nach der Ablösung der geisteswissenschaftlich-hermeneutischen Ausrichtung der Pädagogik in der ,,realistischen Wendung“ - eine direkte Orientierungsfunktion für das erzieherische Handeln übernehmen sollte. Empirisch überprüft werden soll das ,,Verwandlungsmodell“, das in der revidierten Forschung zur Verwendung sozialwissenschaftlichen Wissens zur Diskussion gestellt worden ist. Eine Orientierung der Praxis könnte sich danach nur realisieren, wenn eine vollständige Transformation des sozialwissenschaftlich generierten Wissens in eine praktische Beobachtungs-, Deutungs- und Handlungskompetenz der Lehrer nachweisbar wäre.Durchgeführt wird eine empirische Untersuchung, die den Grad des Gelingens derartiger Verwandlungsprozesse im Kontext der reformierten Lehrerausbildung identifizieren und rekonstruieren soll. Gegenstand der Analysen sind Texte (Praktikumsberichte, Schülerbeurteilungen, Unterrichtsvorbereitungen, Unterrichtsprotokolle), in denen sich die Verwandlung materialisiert.
Gefördert mit einer Sachmittel-Beihilfe der DFG, 2 BAT IIa-Stellen, 1 Stelle stud. Hilfskraft plus 25.000,- DM.


Projekt 6

„Wissenstransfer in den Gesellschaftswissenschaften“
Förderungsart: Schader - Stiftung, Darmstadt

Kurzbeschreibung:
Der Innovationstransfer in den Gesellschaftswissenschaften ist gegenüber dem Technologietransfer bisher ein Stiefkind gewesen, sowohl in qualitativer und quantitativer Perspektive als auch in Hinsicht auf seine politische und institutionelle Unterstützung. Gegenstand der empirischen Studie sind die institutionellen und inhaltlichen Strukturen des aktuell zu beobachtenden gesellschaftswissenschaftlichen Transfers. Dabei wird zurückgegriffen auf die Brgebnisse der sozialwissenschaftlichen Implementations- und Verwendungsforschung.
Die Studie trifft zu folgenden Bereichen Aussagen: Bestandsaufnahme über Institutionen und Aktivitäten im gesellschaftlichen Transfer, wissenschaftliche Kompetenz, Kooperationsstrukturen, regionale Bezüge, Abschätzung des Bedarfs an Transfer, Organisations- und Finanzierungsprobleme, Darstellung empfehlenswerter Alternativen für die exemplarische Förderung wegweisender Vorhaben. Wiss. Mitarbeiter: Winfried Böhm. Kooperation mit Dr. Burkhard Kaddatz, Gesellschaft für Transferforschung, Zentrum für Wissenschaftstransfer Uni Bielefeld.


Projekt 7

„Wissenschaftstransfer in der Region am Falle der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung: Regionalvergleich Saalkreis/Anhalt und Ostwestfalen bei mittelständischen Betrieben (Folgestudie zu Wissenschaftstransfer in den Gesellschaftswissenschaften)“

Förderung durch die Schader-Stiftung, Darmstadt

Kurzbeschreibung:
Immer dringender, aber zunehmend schwieriger gestaltet sich der Wissenschaftstransfer unterhalb der Expertenebene: hier ist es vor allen Dingen die wissenschaftsbasierte berufliche Weiterbildung, die die Aufgabe hat, möglichst viele erwachsene Berufstätige zu befähigen, sich innovatives Wissen für die sie beruflich unmittelbar relevanten wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in Grundzügen berufsrollenspezifisch und auf den betrieblichen Arbeitsplatz bezogen anzueignen, es zu bewerten, z.B. sich mit Wirkungen/unerwünschten Nebenwirkungen neuer Technologien rational auseinanderzusetzen.
Die als vergleichende Regionalstudie angelegte Untersuchung nimmt besonders die beruflichen Weiterbildungsbedarfe der mittelständischen Industrie ins Auge und analysiert die Transferbeziehungen zwischen den regionalansässigen Universitäten und den Unternehmen bzw. ihren Aus- und Weiterbildungsverantwortlichen.
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Günter Frank, Kooperation mit Dr. Burkhard Kaddatz, Universität Bielefeld.


Forschungskooperationen Prof. Dewe

Ein Forschungsprojekt zum Thema „Learning Communities in der betrieblichen Weiterbildung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Peter J. Weber, Research Centre on Multilingualism an der Katholieke Universiteit Brussel und Prof. Dr. Bernd Dewe, Fachbereich Erziehungswissenschaften an der MLU Halle/Wittenberg wird mit Mitteln des EU-Fonds gefördert.

Eine Forschungskooperation wurde vereinbart zwischen Prof. Dr. Bernd Dewe und Prof. Dr. Ralf Volbrecht (Professur für Medienpädagogik) Institut für Sozialpädagogik TU Dresden. Im Mittelpunkt der Forschungskooperation stehen empirische Probleme der Implementation und Nutzung didaktischer Datenbanken in Großunternehmen und ihre Relevanz für spezifische Formen der betrieblichen Weiterbildung und Personalentwicklung. Eine Pre-Test Phase (Daimler-Chrysler- Motorenwerk Mannheim) wurde gestartet, die durch ein Dissertationsprojekt begleitet wird.


Promotionskolleg / post graduate school

Das Promotionskolleg mit dem Titel „Wandlungsprozesse in Industrie– und Dienstleistungsberufen und Anforderungen an moderne mediale Lernwelten in Großunternehmen/Großorganisationen“ ist im Oktober 2007 gegründet worden und wird im Rahmen des Graduiertenzentrums für Bildungs- und Sozialforschung (GZBS) der Philosophischen Fakultät III der Martin-Luther-Universität Halle / Wittenberg neben anderen Promotionskollegs etabliert. Als kooperierende WissenschaftlerInnen wirken Kollegen und Kolleginnen mit, die als Berater in verschiedenen Promotionsverfahren und Forschungsprojekten aktiv sind. Das Promotionskolleg wird von Prof. Dr. Bernd Dewe (wissenschaftliche Leitung), Prof. Dr. Peter Weber (Hochschule für Angewandte Sprachen, München), Prof. Dr. Ralf Vollbrecht (TU Dresden), Prof. Dr. Claudia Wegener (Hochschule für Film und Fernsehen, Potsdam) und Prof. Dr. Peter Pantucek (Universität Wien, FH St. Pölten) verantwortet.


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