Wissenschaftliche Tätigkeiten Forschungsberichte (im Erscheinen) Ehrenamtliche und andere Funktionen
Startseite Ehrenamtliche und andere Funktionen selbstbestimmte Jugendkulturarbeit

Ehrenamtliche und andere Funktionen


Rockakademie OWL selbstbestimmte Jugendkulturarbeit Fotos Gratulationen "Kinder dieser Stadt"

Disclaimer Impressum Kontakt News Lehrangebot Philosophische Faktultät III Uni Halle/Wittenberg Termine des Graduiertenkollegs Aktuelle Publikationen Festakt Pressespiegel

selbstbestimmte Jugendkulturarbeit

Verein zur Förderung selbstbestimmter Jugendarb.

In Herford hat sich ein neuer Verein gegründet. Dieser besteht aus Aktiven und ehemaligen Aktiven in der Jugend- Sozial- und Kulturarbeit. Unser Verein möchte die wenigen Orte an denen selbstbestimmtes und unkommerzielles Denken, Handeln und Leben noch möglich ist, gezielt unterstützen und ihre Existenz absichern.
In Herford ist unserer Ansicht nach einer dieser Orte das selbstverwaltete Jugendzentrum „Fla-Fla“ (auch bekannt als „Spunk“ auch bekannt als „SevenInch“) an der Mindenerstraße 33 bzw. Eimterstr. 4.
Für alle diejenigen LeserInnen, die das „Fla-Fla“ nicht oder nicht gut kennen, soll es hier zunächst kurz beschrieben werden. Wir wollen auch darstellen, warum wir so etwas wie ein selbstverwaltetes Zentrum so wichtig finden. Es folgt eine Beschreibung der aktuellen Lage im „Fla-Fla“ und schließlich eine Einordnung der Probleme in einen weiteren Kontext sowie die Formulierung unseres Anliegens.

Zum Jugendzentrum "FlaFla"

Das „FlaFla“ gibt es in Herford an verschiedenen Standorten seit über 30 Jahren (alte Adressen waren: Mittelstraße, Wittekindstraße, Schillerstraße, ein aller Name war auch: Das „Haus“). Seit 1980 wird das Jugendzentrum vom Verein für Sozial- und Kulturarbeit e.V. (nicht zu verwechseln mit unserem neuen Verein!) an der Mindenerstraße als ein Haus der Offenen Tür betrieben. Er ist von der Stadt Herford ebenfalls 1980 als gemeinnützig und als Träger der freien Jugendhilfe nach §75 KJHG anerkannt worden.
Das „FlaFla“ ist aus dem Wunsch Jugendlicher entstanden, Räume für selbstbestimmte Aktivitäten zu haben. Auf ehrenamtlicher und selbstverwalteter Basis ist es gelungen, diesen Freiraum bis heute zu erhalten.
Das „FlaFla“ bietet den Jugendlichen gerade durch die Selbstverwaltung eine jugendnahe Kulturstätte, in der emanzipatorisches Denken und Handeln und Verantwortung gefördert werden. Jugendliche sammeln Erfahrungen in Teamarbeit und basisdemokratischer Entscheidungsfindung. Ale Entscheidungen werden von den jungen MitarbeiterInnen in der öffentlichen Hausversammlung gefällt. Essentiell ist auch das Selbstgestalten des kompletten Nachmittags- und abendlichen Kulturprogramms. Dieses besteht zurzeit aus einem offenen Nachmittagsbereich mit Internetcafe, Billard und Kickern, Musikkneipenabenden unter der Woche. Zusätzlich finden bei uns am Wochenende Konzerte und Partys statt. Natürlich müssen parallel auch alle Aktivitäten zum Betreib des Hauses erledigt werden (Putzen, Reparaturen, Veranstaltungsvorbereitungen …). Trotz verschiedener Interessen und Jugendkulturen besteht ein starker Zusammenhalt, der für viele Jugendliche ein wichtiger Grund ist, im FlaFla MitarbeiterIn oder Gast zu sein.

Zur Notwendigkeit eines selbstverwalteten Zentrums

Es muss einen Ort in Herford geben an dem Jugendliche, junge Erwachsene und auch ältere Erwachsene ihre Freizeit verbringen können und ihre Ideen umsetzen können – und zwar auf eine nicht kommerzielle und nicht konsumorientierte, aber dafür selbstbestimmte Weise. Nur im „FlaFla“ können junge Menschen in Herford unserer Einschätzung nach Prinzipien wie Selbstverwaltung, Basisdemokratie, Eigenverantwortung, Solidarität und Emanzipation erlernen und leben. Eben Prinzipien, die im sonstigen gesellschaftlichen Feld momentan leider massiv an Bedeutung verlieren aber unserer Ansicht nach gerade heute in Zeiten von Neoliberalismus, Sozialabbau und Entsolidarisierung um so wichtiger sind. Nicht zuletzt geht es uns auch darum, einen Freiraum von rassistischer und sexistischer Diskriminierung sowie von allem dominierender Verwertungslogik auch in Herford zu erhalten. Und schließlich sehen wir im „FlaFla“ auch den einzigen Raum in Herford, an dem nicht kommerzielle Kulturarbeit möglich ist und Kultur ohne großes Budget und zu erschwinglichen Eintrittspreisen veranstaltet und angeboten werden kann. Besonders lokale Kultur, wie auch junge noch unbekannte Bands haben im „FlaFla“ eine Bühne.

Zur aktuellen Lage

Leider befindet sich das „FlaFla“ in einer schwierigen Situation. Der langjährige Vermieter beabsichtigt das Haus Ende dieses Jahres zu verkaufen.
Das „FlaFla“ braucht deshalb dringend einen neuen Platz in der Stadt Herford. Der Trägerverein des Jugendzentrums und unser neuer Verein zur Förderung sind intensiv auf der Suche nach einem neuen Gebäude oder Teilgebäude. Es soll endlich wieder eine langfristige Perspektive für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Herford her. Der Wunsch der beiden Vereine ist es deshalb, ein Haus zu erwerben. Nur so scheint die Absicherung von Freiräumen in der heutigen Zeit möglich zu sein.
Leider wird die Situation noch verschärft durch die politische Großwetterlage in Deutschland bzw. in NRW. Der Landeshaushalt 2004 sieht in der Bezuschussung der Kinder- und Jugendhilfe eine Kürzung von 25 % vor. Und Fortsetzung folgt: Für 2005 sind weitere Kürzungen angekündigt. Dies macht für das „FlaFla“ einen beträchtlichen Teil der zum jetzigen Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Mittel aus. Über vergangene Kürzungen soll hier gar nicht mehr geredet werden. Im „FlaFla“ wird ohne hin schon seit längerer Zeit auf einem Minimalniveau gewirtschaftet. Die kaputte Heizung z.B. kann deshalb schon seit Jahren nicht repariert werden. Die Frage, wie die Arbeit weitergehen soll stellt sich sowieso.

Zu unserem Anliegen und zu Euch

Um einen finanziellen Kraftakt wie einen Hauskauf und Umzug zu bewältigen, sind wir auf Hilfe angewiesen. Deshalb laden wir alle Interessierten ein, sich uns anzuschließen, Ideen und Wissen einzubringen, zu spenden oder auch einfach mal zu unserem Stammtisch zu kommen. Wir sind hoffnungsvoll, dass es das JZ „FlaFla“ auch noch weitere 30 Jahre geben kann. Sie werden sich sicher fragen, warum sich erwachsene Menschen sich für den Erhalt eines Jugendzentrums einsetzen. Wir denken, dass hier ein Teil einer Struktur bedroht ist, die in einem gewissen Maße so etwas wie eine Gegenkultur darstellt. Eine Struktur von selbstbestimmten Räumen, in denen Handlungsmöglichkeiten und eröffnet werden, die sich nicht in der vorherrschenden Ordnung erschöpfen, welche die Bedürfnisse der Menschen einer abstrakten mechanistischen Marktlogik unterordnet.
Dazu gehört wenigstens die Möglichkeit, etwas anderes überhaupt zu denken. Hier meinen wir natürlich nicht nur Jugendzentren. Auch Infoläden, selbstverwaltete und kollektiv organisierte Betriebe, Wohnprojekte, Wagenplätze, Suppenküchen oder auch andere im engeren Sinne Kultureinrichtrungen wie etwa Schreibwerkstätten gehören dazu. Wir denken, dass ein Erhalte und Ausbau dieser Strukturen uns alle angeht und deshalb auch der Erhalt eines einzelnen Jugendzentrums in einem gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. Es handelt sich insofern um eine politische Frage, die eben nicht „nur“ junge Menschen angeht. Wie wichtig die Möglichkeit eines Rückgreifens auf unabhängige selbstbestimmte Strukturen sein kann, zeigt sich zurzeit besonders vor dem Hintergrund der Zerstörung der staatlichen sozialen Sicherungssysteme. Das entstehende Loch kann nur geschlossen werden, wenn die Menschen sich selbst organisieren.
Die Bedrängnis in die das „FlaFla“ gekommen ist, stellt im Übrigen in der Region wie bundesweit keinen Einzelfall dar. Die selbstverwalteten Zentren „FKK“ in Minden (1999), JZ Kalletal in Kalletal-Hohenhausen (2001) sind Geschichte. In Bünde kämpfen die Jugendlichen zurzeit für ein neues Haus, nachdem die „Villa Kunterbunt“ 2003 nach dem Willen der Bünder KommunalpolitikerInnen abgerissen wurde. Die „Alte Pauline“ in Detmold ist bedroht, in Osnabrück versuchen die Aktiven des „AZ Wagenplatz“ seit ca. zwei Jahren, ein neues Haus zu bekommen. Auch deutschlandweit kämpfen selbstverwaltete und unabhängige Zentren ums Überleben wie etwa das „Conne Island“ in Leipzig, die „Ex-Steffi“ in Karlsruhe und das „KTS“ in Freiburg.

Lasst uns dem Zentren-Sterben Einhalt gebieten! Unterstützt das „FlaFla“!

Wir freuen uns auf Eure Unterstützung und laden Euch zum Stammtisch des Vereins zur Förderung selbstbestimmter Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit e.V. immer am ersten Freitag im Monat um 20 h in der Kneipe des „FlaFla“ ein. Ebenso seid ihr herzlich eingeladen, einfach auch mal so vorbeizuschauen.

Mit hoffnungsvollen und solidarischen Grüßen

Verein zur Förderung selbstbestimmter Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit e.V. und Verein für Sozial- und Kulturarbeit e.V. / Trägerverein des „FlaFla“

Druckbare Version